Tiber, Tiberinsel und Trastevere
Der Tiber, italienisch Tevere, ist nach dem Po der zweitlängste Fluss Italiens und fließt in wenigen Windungen von Norden nach Süden durch Rom. Er galt früher als eine der Hauptverkehrsadern und verband Roms Stadt mit dem Hafen Ostia. Diese Bedeutung hat der Tiber in der heutigen Zeit verloren. Die Schiffe, die ihn nun befahren, dienen nur zum Personentransport für Römer oder Touristen.
Auf dem Weg zum Tiberufer kann man die Besichtigungstour so planen, dass man am westlich des Palatin gelegenen Janusbogen vorbei kommt. Er hat eine Höhe von 16 Metern und besteht aus Marmor. Neben dem Janusbogen befindet sich die Kirche San Georgio in Velabro und der Bogen der Geldwechsler mit schön erhaltenen Reliefs und Verzierungen.
Ganz in der Nähe des Janusbogens stößt man auf die Kirche Santa Maria in Cosmedin. Die kleine aber sehr sehenswerte Kirche zeigt die Schönheit mittelalterlicher Baukunst in Rom. Außerdem ist die Vorhalle der Kirche bei Rombesuchern sehr beliebt, weil sich hier ein besonderes Marmorrelief, der sogenannte Mund der Wahrheit (Bocca della Verita), befindet. Weltberühmt geworden durch den 1953 entstandenen Hollywoodfilm "Ein Herz und eine Krone" mit Gregory Peck und Audrey Hepburn ist der Mund der Wahrheit auch heute noch eine beliebte Sehenswürdigkeit in Rom. Der mittelalterlichen Sage nach verloren Lügner ihre Hand, wenn sie sie in die Mundöffnung des dargestellten Tritonen steckten.
Gegenüber der Kirche Santa Maria in Cosmedin schaut man auf den Vestatempel, Roms ältestem Marmortempel, sowie einem Barockbrunnen mit zwei Tritonen.
Am Tiberufer entlang zur Tiberinsel
Vom Mund der Wahrheit und der Kirche Santa Maria in Cosmedin sind es nur wenige Schritte bis zum Tiberufer. Richtung Norden gehend stößt man nach ca. 500 Metern auf der Höhe der Tiberinsel auf das um 13 v. Chr. vollendete Marcellus Theater. Es fasste ca. 15.000 Zuschauer, hatte einen Durchmesser von rund 130 Metern und war Vorbild für das später erbaute Kolosseum. Bereits im Mittelalter begann man damit auf den Resten des Marcellus Theaters Wohnhäuser zu bauen, die auch heute noch, nach weiteren zahlreichen Umbauten, sehr beliebt bei den Römern sind.
Direkt neben dem Marcellustheater befindet sich Roms ältester Apollo-Tempel von 431 v. Chr. Seinen Beinamen Sosianus erhielt er von seinem ersten Restaurator Sosius im Jahre 34 v. Chr.
Zurück zur Hauptstraße sind es nur wenige Meter und man erreicht über eine Brücke die Tiberinsel. Die rund 300 Meter lange Insel hat die Form eines Schiffes. Der früher in ihrer Mitte stehende Obelisk sah aus wie ihr Schiffsmast. Nach kurzer Rast in einem Café oder der Besichtigung der Kirche San Bartolomeo all'Isola verlässt man die Tiberinsel über eine weitere Brücke nach Trastevere.
Trastevere
Trastevere, was übersetzt "jenseits des Tiber" bedeutet, ist eines der beliebtesten Wohnviertel von Rom. Wer nicht im historischen Viertel von Rom wohnt, findet hier viele Parallelen: schmale Gässchen, alte Kirchen, beschauliche Plätze. Aber auch wer hier nicht wohnt, kommt gerne nach Trastevere. Denn hier kann man gut und gemütlich essen, Wein trinken oder einfach schönen Tag oder Abend verbringen.
Eine der Sehenswürdigkeiten von Trastevere ist die Basilika Santa Cecilia. Die unter dem Altar zu sehende Liegeskulptur der Heiligen Cecilia wurde vom Bildhauer Stefano Maderno im Jahre 1600 geschaffen. Sie ist Abbild des in den Katakomben der Christen an der Via Appia gefundenen Leichnams eines Mädchens in derselben Haltung und Fingerstellung.
Am zentralen Platz von Trastevere findet man die vermutlich älteste Marienkirche Roms, die Kirche Santa Maria in Trastevere. Wertvolle Kosmatenarbeiten, eine teilweise vergoldete hölzerne Kassettendecke und bedeutende Mosaiken in der Apsis ließen die Kirche zu einem Kunstwerk werden.
Markt auf dem Campo dei Fiori
Von Trastevere bis zum Palazzo Farnese, der heute Sitz der französischen Botschaft ist, sind es etwa 15 Minuten zu Fuß. Auf der Piazza Farnese kann man eine kurze Rast einlegen. Anschließend geht man weiter zum direkt angrenzenden Campo dei Fiori. Außer sonntags findet auf dem Campo dei Fiori täglich einer der bei Römern und Touristen beliebtesten Märkte statt. Frisches Gemüse, Obst, Gewürze und vieles mehr verströmen wunderbare Gerüche und die direkt beim Markthändler gekauften Kirschtomaten für einen Euro schmecken auch ohne sie vorher zu waschen. Wie auf allen Märkten sollte man sich etwas Zeit nehmen, auch für die unvermeidbaren Gespräche mit den Händlern.
Pantheon
Nach einem Espresso in einem der schönen Straßencafés auf dem Campo dei Fiori geht es weiter zum Pantheon. Wer einen kleinen Umweg nicht scheut, kann auf dem Weg zum Pantheon nochmal über die Piazza Navona gehen. Das Pantheon war als Heiligtum für alle römischen Götter gedacht und gilt heute als das besterhaltene Bauwerk der römischen Antike. Die ungewöhnliche architektonische Form des Bauwerks lässt von außen betrachtet nicht das erwarten, was einen im Inneren erwartet. Nach Durchschreiten des Säulenportals betritt man den von der Kuppel bestimmten Innenraum.
Die Kuppel hat eine Öffnung von 9 Metern Durchmessern, welche als Lichtquelle dient. Eindringendes Regenwasser wird durch den mit leichtem Gefälle versehenen Boden gezielt zu Abflüssen geleitet. Die mit 43,3 Metern Durchmesser riesige Kuppel ist sogar ein wenig größer als die des Petersdoms und gilt als größte ungestützte Zementkuppel der Welt. Die Höhe vom Fußboden beträgt ebenso 43,3 Meter, was eine besondere harmonische Wirkung beim Betrachter hervorruft. Dadurch, dass die Kassettenelemente der Kuppel nach oben kleiner werden, wird ihre Anzahl bei 28 Stück pro Reihe konstant gehalten.
Das Pantheon ist in seiner heutigen Funktion eine Grabeskirche. Hier ruhen die beiden italienischen Könige Emanuel II. und Umberto I. sowie der Künstler Raffael.
Den bei Römern und Touristen gleichermaßen beliebten Vorplatz des Pantheon, die Piazza della Rotonda, ziert ein Obelisk. Alle Geschäfte, Restaurants und Cafés rund um den kleinen Platz erfreuen sich regen Zulaufs.
Berninis Elefant
Am Pantheon links vorbei gehend erreicht man nach wenigen Schritten die Piazza della Minerva. Dort findet man Berninis Elefanten, der den mit 5,47 m Höhe kleinsten Obelisken Roms auf dem Rücken trägt. Die auch hier befindliche Basilika Santa Maria sopra Minerva, die als einzige gotische Kirche Roms gilt, beherbergt unter anderem viele Kunstwerke Berninis und Michelangelos und ist im Gegensatz zu ihrem unscheinbaren Äußeren ein echter Geheimtipp für Kunstfreunde.
Piazza del Popolo
Auf dem Weg vom Pantheon zur Piazza del Popolo kann man auf einem kleinen Umweg nochmal an der Fontana di Trevi, der Piazza Colonna und der Piazza del Parlamento vorbeischauen. Bei Erreichen der Piazza del Popolo ist man beindruckt von der Größe des Platzes. In seiner Mitte steht mit 24 Metern Höhe Roms zweitgrößter ägyptischer Obelisk mit Namen Flaminio. Vier Wasser speiende Löwen umgeben den auf einem Treppensockel stehenden Obelisken. An dieser Stelle des Platzes finden viele Besucher ein angenehmes Plätzchen zum Verschnaufen.
Der Platz ist nach Westen und Osten von halbkreisförmigen Mauern abgeschlossen. Nach Süden schauend fällt der Blick über die Via Corso bis zur Piazza Venetia und dem Monumento Vittorio Emanuele II. Nach Osten schaut man den Hügel Pincio hinauf. Vor Besteigen des Hügels kann man sich im Café Canova oder im gegenüberliegenden Café Rosati stärken.
Panoramablick vom Pincio Hügel
Von der Piazza del Popolo führen Treppen hoch zum Pincio-Park mit seiner Aussichtsterrasse. Von hier hat man einen wunderschönen Blick über die Piazza del Popolo bis hinüber zum Petersdom. Wer jetzt noch Zeit und Lust hat, geht von hier zum direkt angrenzenden Park der Villa Borghese. Wer den Besichtigungstag hier beenden möchte, verlässt den Pincio-Park Richtung Südosten und erreicht nach nur 800 Metern die Spanische Treppe und deren Metrostation.
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