Die Altstadt von Fès, eine Zeitreise ins Mittelalter

Fès - Marokko



Das Gefühl, eine Zeitreise gemacht zu haben und irgendwo im Mittelalter gelandet zu sein, vermittelt besonders intensiv die Stadt Fès. Die Altstadt hier ist so groß, kompakt und dicht bebaut, dass es wirklich schwer ist, nicht die Orientierung zu verlieren.

Altstadt als Irrgarten

Darauf machen einen die Führer, die die Touristen an den außerhalb der Stadtmauern liegenden Parkplätzen schon erwarten, auch bereitwillig aufmerksam. Sie prophezeien denjenigen, die sich ohne ihre Hilfe in dieses Labyrinth wagen, dass sie niemals wieder den Weg zurückfinden werden. Nachdem man einige hundert Meter in diesem Häusermeer zurückgelegt hat, ist man bereits geneigt ihnen zu glauben. Denn die Straßen werden immer enger, es geht bergab und dann wieder bergauf. Es ist ein Gewimmel von Menschen in alle Richtungen unterwegs, wobei oft nur zwei Personen nebeneinander Platz haben. Dazwischen laufen noch turmhoch beladene Mulis, außer Sackkarren das einzige Transportmittel in diesen engen Gassen. Und über allem die große Hitze. Selbst wenn man nach einiger Zeit zufällig bemerkt, dass es ein Leitsystem von Tafeln mit verschiedenen Farben und Symbolen gibt, das einem helfen soll, sich in diesem steinernen Irrgarten zurechtzufinden, bleibt die Orientierung schwierig und mehr oder weniger Glückssache. Trotzdem - wenn man es Stunden später dann total verschwitzt und abgekämpft wieder zurück zu seinem Mietwagen geschafft hat, möchte man diese unglaubliche Erfahrung nicht missen.

Öffnungszeiten beachten

Auch in Fès gibt es wieder einige gute Beispiele für die Geschäftstüchtigkeit der Marokkaner. So gelten für viele Sehenswürdigkeiten streng geregelte Öffnungszeiten, die auch mit den einzuhaltenden Gebetszeiten zu tun haben. Religiöse Gebäude, wie Medresen (Koranschulen) oder Moscheen sind in der Regel von ca. 12.00 bis 14.30 Uhr geschlossen. Kommt man also während dieser Zeit dort an, sind die alten und oft mächtigen Tore zu. Im touristischen Besichtigungseifer vergisst man das gerade am Anfang oft und steht dann einigermaßen verdutzt und hilflos vor dem Gebäude. Aber man bleibt garantiert nicht lange allein. Sofort erscheint ein freundlicher Einheimischer, der einem erklärt, dass gerade mittägliche Gebetszeit ist. Er wüsste aber, wo man die Wartezeit in angenehm kühlen Räumen gut überbrücken könnte, denn ganz in der Nähe liege ein Laden für Heilpflanzen und -kräuter, der einem entfernten Verwandten gehört. Kaum hat man diesen Laden dann betreten, kassiert der "Verwandte" seine Prämie für die neuen Kunden, die er gebracht hat, und verschwindet wieder. Man selbst wird höflich und zuvorkommend begrüßt, und dann werden in einem langen Vortrag die verschiedensten Kräuter, Salben und Tinkturen präsentiert, die gegen alle möglichen Beschwerden und Wehwehchen helfen. Erleichtert stellt man fest, dass immer wieder neue Touristen im Laden auftauchen, die von einem der vielen "Verwandten" des Ladeninhabers abgeliefert werden. Man ist also nicht allein auf diesen wahrscheinlich uralten Trick hereingefallen. Meist schafft man es auch nicht, den Laden zu verlassen ohne etwas gekauft zu haben.

Das Gerberviertel von Fès

Eine weitere Attraktion von Fès sind die Gerbereien. Aus den diversen Reiseführern und von den Postkarten, die überall zu kaufen sind, kennt man die gemauerten Bottiche, in denen Flüssigkeiten in den verschiedensten Farben schimmern. Natürlich möchte man dieses Bild auch einmal aus nächster Nähe sehen bzw. selbst Fotos davon machen. Aber selbst wenn man es durch die labyrinthische Altstadt bis zum Gerberviertel geschafft hat, sieht man dort nirgends diese Bottiche oder entsprechende Hinweisschilder. Hilf- und ratlos steht man schließlich in einer der Gassen - und sofort ist wieder ein freundlicher Einheimischer zur Stelle, der einem gerne den Weg zu den Gerbereien zeigt. Man folgt ihm also - mehr oder weniger skeptisch - zu einem unscheinbaren Türeingang in einer sehr engen Gasse. Über ein Gewirr von Treppen, Gängen und Zwischengeschossen erreicht man endlich eine Art Aussichtsterrasse, von der man wirklich einen schönen Blick auf die Gerbereien mit ihren Bottichen, den Arbeitern und den bereits gefärbten Häuten hat, die zum Trocknen ausliegen. Selbst der beißende Geruch der Gerbstoffe steigt einem in die Nase. Zufällig liegt dieser Aussichtspunkt natürlich in einem Laden, in dem die verschiedensten Produkte verkauft werden, die aus dem gegerbten und gefärbten Leder hergestellt werden! Dieser Laden ist riesig und total verwinkelt, und bereitwillig zeigt einem der Führer nun die Waren, die natürlich von bester Qualität und dennoch preiswert sind. Hier gibt es wirklich alles: angefangen von Gürteln, Hüten, Portemonnaies, Schläppchen, Schuhen, Rucksäcken und Taschen bis zu Kissen und Bekleidung. Und auch hier wird es schwierig, zu gehen ohne etwas erstanden zu haben.

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